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Bildanalytisches Denken
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Nein, wir sehen eher, wie der Mensch mit diesen Tassen eine uns viel besser
erscheinende Form der Mutterbrust-Versorgung entwickelt hat.
Der Mensch scheint mit den Tassen das, was wir alle
entwicklungsgeschichtlich einmal als Erfahrung höchster Beglückung erlebt haben,
überbieten zu wollen: Denn im Unterschied zu früher laufen wir beim Trinken nicht
Gefahr, mit einem falschen Handgriff (bzw. mit einem unpassenden Biß) den Fluß zum
Versiegen zu bringen - z.B. Mutter wird sauer. Wir sind nicht auf ein kleines Rinnsal
angewiesen, wir können auch in großen Schlucken genießen, wenn wir wollen. Wir müssen
uns nicht anstellen, weil die andere Brust jetzt dran ist oder das Geschwisterchen. Wir
brauchen uns beim Trinken auch nicht groß anzustrengen. Wir staunen hier bei dem
Vergleich mit frühen Formen flüssiger Zufuhr, daß der Mensch sich mit der Erfindung der
Tassen verbessert hat. Und die Nostalgie der paradiesischen Kindheit tritt für einen
Augenblick etwas zurück.
Bisher habe ich vor allem davon gesprochen, was die Tasse
für uns leistet. Dabei habe ich nicht ohne Vergnügen der klassischen Psychoanalyse eine
gewisse Referenz erwiesen bzw. ihrer besonderen Wertschätzung der frühkindlichen
Verhältnisse.
Wir haben auch gesehen, daß die Bedeutung der Tasse nicht
ausreichend damit erfaßt wäre, wenn wir in ihr nur die Leistung einer Kompensation oder
eines Ersetzens früherer und idealerer Verhältnisse zu sehen versuchten. Ein über die
frühen Verhältnisse hinausgehendes Verfügen- und Genießenkönnen schien uns vielmehr
die besondere Leistung zu sein, die sich für uns mit einer Tasse als Gebrauchsgegenstand
verbindet.
Ist die Tasse damit aber schon als ein Bild und Gleichnis
verstanden, welches sich auch in anderen Dingen und Zusammenhängen zeigen und als
Verstehenshilfe nützlich machen kann? Wenn die psychische Realität "Tasse"
sich nach einem bestimmten Gleichnis oder Bild versteht (also ein Bildverstehen hat), dann
muß sie das leisten.
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